Freitag, 10. Oktober 2025

Warum ich immer weiter schreibe

 Hi Leute,

Es ist mächtig viel Zeit vergangen seit ich hier gepostet habe. Das soll jedoch nicht heißen, dass ich aufgehört habe meinen Senf zum Weltgeschehen dazu zu geben. Als Content Creator schreibe ich eigentlich jeden Tag zumindest einen kleinen Aufsatz. Doch wenn's drum geht ernsthafte Probleme zu diskutieren, will ich meine Produktivität nicht immer dafür verwenden um Texte fertigzustellen, ich will das sie gut werden. Deswegen lass ich in meinen Blogs gern mal den Bauarbeiten-Banner mit der Aufschrift Work in Progress liegen und gib meinen Aufsätzen, die kaum Korrekturlesungen oder Reviews erfahren, Zeit um sich zu entwickeln. Wenn ich mich in dem Blog kaum mit Posts melde, liegt es mehr daran, dass ich die wahren Probleme ansprechen will und deren Komplexität selbst mich als prolific weiter im Workflow zum Stocken bringt. Manche Themen brauchen Fingerspitzengefühl der heißen Kartoffeln wegen. Doch allein weil ich mit meiner Umwelt ständig im Zwist steh, will ich mich äußern und einen nachhaltigen Beitrag mit meinen Worten leisten.

Meine Texte sind oft extrem ausführlich und detailvernarrt. Dazu wollte ich ein kurzes Statement abgeben, dass ich gestern am Weg zum Dienst in meine Notizen getippt hab. Scannt da mal drüber 😉

 


 

Zu meinen descriptive Writings

Ich leide an einer relativ gut erforschten psychischen Krankheit, die ich gerne als Paranoia Light unter den Teppich kehre, um mir selbst keine Vorwürfe zu machen, wenn es regelmäßig Teil meiner Natur wird, Erzählungen [mit für Außenstehende belanglos verstandenen Details] ins scheinbar Unendliche auszurollen, meist in der Hoffnung in meinem von Einsamkeit geprägten Innenleben verstanden und irgendwann geliebt zu werden. (Selbstliebe schön und gut, aber der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht andere um sich wohl zu fühlen). Die Texte, die ich dann auf's Papier bringe, sind anfänglich in Details ertränkt und wirken oft auf mich selbst schon anstrengend. Bei meiner dann eigens auferlegten Überarbeitung - hauptsächlich Condensing - würde ich liebend gern die KI verwenden, um rasch sperrige Details loszuwerden. Doch die Maschine kann nicht abwägen welche Details meiner Erzählungen in meiner Wahrnehmung als federführend gelten. Sie erstellt meist kurze, leicht zu lesende, abgerundete Versionen, in der komplexe Problemstellungen meines Gefühlslebens ausgeklammert werden. Der KI-generierte Content wirkt dann emotionslos und uneinsichtig formuliert. KI-Reviewing würde also schnell gehen, erfüllt aber nicht denn Zweck, den deskriptive Writings meines Erachtens haben: Sie sollen tiefgründige Gedanken mittels ihrer informativen Fülle sichtbar machen und haben in der Form Aufklärungsfunktion. Ich möchte Leser*innen ansprechen, die sich von descriptive Writings nicht überfordert fühlen, sondern sich selbst dadurch angeregt fühlen Liebe zum Detail zu entwickeln und sich der eigenen komplexen Probleme bewusst zu werden. Aber klar, für die komplexen, undurchsichtigen Probleme unseres Alltags wollen wir ergänzend einfache Lösungen. Dann muss unsere Kommunikation – und damit unsere Textinhalte – klar und eindeutig sein, um zu unserem Seelenfrieden beizutragen. Deswegen werden die meisten meiner descriptive Writings auf gut lesbares, ökonomisch editiertes Level umgestaltet, erfahren kritisches Peer Reviewing und werden regelrecht kurzgeschlachtet. Ich mache mich mit der Überarbeitung meist besser verständlich, wenn gerade nicht alles komplex und tiefgründig sein muss. Das soll nicht das Problem sein. Wenn wir Einfachheit aber als Medizin im Alltag fordern, verdrängen wir damit vielleicht unangenehme, komplexe Gedanken, die in unserem Selbstverständnis verankert sind und können uns selbst mit dieser Ignoranz und der einhergehenden inneren Lebenslüge unterbewusst verletzen. Wir sind dann nicht ehrlich uns selbst gegenüber.
Ich will meine detailvernarrte Erzählart deswegen nicht als lästige Schwäche, sondern als ausgeprägtes, charakteristisches Gestaltungstool verstehen, das öffnet und fähig sein kann Verborgenes ins (rechte) Licht zu rücken. Ich schreibe seit ein paar Jahren in meinem Privatblog über vergangene Erlebnisse die mich bis heute Liebe, Verzweiflung, Lust, Angst oder Neugier spüren lassen und trete dabei teils als Selbstheiler, teils als ungenierter Erzähler mit mehreren quintesentiellen Messages auf. Es kann sein, dass ich beim Erzählen obszön erscheine. Es kann sein, dass ich auf viele dabei peinlich wirke. Aber die Art wie ich schreibe, wirkt eigenständig und unverfälscht. Ich kenn keine anderen Blogger, die ähnlich schreiben, die ähnlich mit Ihrer Gedankenwelt hantieren. Deswegen werde ich weiterhin ohne KIs meine Texte verfassen, um Charakter zu bewahren - ekelhaft oder charmant, obszön oder sensibel, geradlinig und einleuchtend oder verwoben in meiner schleierhaften Gedankenwelt - ich habe keine Angst davor meine wahren Gefühle zu zeigen und bin überzeugt damit viele Denker emotional zu erreichen. Weil ich mich auf diese Art mit der Außenwelt im Austausch erkenne, schreibe ich weiter über alles wovor sich die Welt um mich herum viel zu oft zu verschließen scheint.

MK